2003

Wie jedes Jahr m├Âchte ich das Jahr kurz in einem Brief zusammenfassen. Wenn ich fertig bin (so ca. 4 Stunden) stelle ich wie immer fest, das in dem Jahr wieder Mal eine Menge passiert ist.

Zwischen Weihnachten und Neujahr 2002 surfte Helmut im Internet um f├╝r mich einen Job zu suchen. Ich hatte bei der WBR gek├╝ndigt und wollte mich ver├Ąndern. In der Jobb├Ârse gab es hunderte Jobs, aber alle sehr weit weg (Heidelberg, M├╝nchen etc.) Pl├Âtzlich meinte Helmut: ÔÇ×Ich schreibe mal an den Kaufhof, auch wenn sie nicht suchen, es kostet ja nichts!“ Nur ein Tag sp├Ąter rief mich der Personalchef an und sagte, er suche eine Schmuckverk├Ąuferin und wann ich mich vorstellen k├Ânne. Ich vereinbarte mit ihm gleich am n├Ąchsten Tag ein Vorstellungsgespr├Ąch. Zu Helmut sagte ich, es k├Ąmen bestimmt hunderte und warum sollen die gerade mich nehmen. Helmut sagte noch, warte ab und geh’ einfach hin. Mit weichen Knien ging ich also zu meinem Vorstellungsgespr├Ąch. Wie durch ein Wunder war ich die Einzige und der Personalchef war sehr freundlich. Das Gehalt stimmte und die Arbeitszeit von 9.30 bis 12.30 Uhr war einfach super. Nach einem einst├╝ndigen Gespr├Ąch hatte ich meinen Arbeitsvertrag in der Tasche. ÔÇ×Verk├Ąuferin f├╝r Echtschmuck im Kaufhof“, ich konnte es kaum fassen. Auf der Stra├če angekommen br├╝llte ich Helmut durch’s Handy an: ÔÇ×Du glaubst es nicht aber ich habe den Job!“ Abends wurde mit der Familie gefeiert. Am 8. Januar trat ich dann meine neue Stelle an. Mit weichen Knien ging ich morgens in meine Abteilung. Ich wurde ├╝berall herumgereicht und vorgestellt, Namen wurden genannt und das bei meinem schlechten Namenged├Ąchtnis. Die Frau die mich einarbeiten sollte hie├č Gru├č. Den Namen schrieb ich mir auf einen Zettel und schob ihn in meine Hosentasche, so sollte ich ihn nicht vergessen. Um es abzuk├╝rzen, ich bin immer noch im Kaufhof als Schmuckverk├Ąuferin, gehe jeden Tag mit Freude arbeiten, bin mit Herz und Seele bei der Sache, bin voll zufrieden und mit allen per Du.

Im Februar und M├Ąrz passierte nichts, au├čer der Tatsache dass Martina und ich ein Jahr ├Ąlter wurden.

Im April hatte Michaela dann ihre Fahrpr├╝fung f├╝r den Autof├╝hrerschein. Nachdem sie sich in der Theorie sehr schwer tat, lief es bei der Fahrpr├╝fung sehr gut. Der erste Versuch klappte und das mit der Mindeststundenzahl. Sie f├Ąhrt oft mit Martina’s Auto und ich freue mich immer wenn sie wieder gesund zur├╝ckkommt.

Ebenfalls erfreulich war f├╝r uns alle, dass der 1. FC K├Âln schon im April in die 1. Bundesliga aufgestiegen war. Da wir alle eine Dauerkarte besitzen fahren wir nat├╝rlich zu jedem Heimspiel. Zuf├Ąllig hatte Helmut beim entscheidenden Heimspiel Geburtstag. Wir informierten den 1. FC und Helmut wurde vor dem Spiel von ca. 15000 Besuchern aus der S├╝dkurve zum Geburtstag gratuliert. Er freute sich riesig dar├╝ber.

Im Mai habe ich endlich mal wieder gegen Helmut im Minigolf gewonnen. Wir gehen bei sch├Ânem Wetter oft spielen. Mal mit Wolfgang, unserem Freund, mal mit den Kindern und ihren Freunden, gewonnen habe ich selten. Es war aber in dieser Saison auch das einzige Mal, sonst hei├čt der Sieger immer Helmut.

Am 1. Juni (unser Hochzeitstag) trat Helmut mit seiner Musikschule zugunsten krebskranker Kinder auf. Er wurde von jemandem mit den Worten angesprochen: ÔÇ×Kennst Du einen Schlagzeuger, der am liebsten Musik der Rolling Stones spielen w├╝rde?“ Helmut war sofort Feuer und Flamme und irgendwie kam eine Band zusammen, die alle ├╝ber 40 sind und den gleichen Musikgeschmack besitzen. Seit diesem Tag kommen die f├╝nf jeden Freitag zusammen und spielen Musik der Rolling Stones nach. Helmut ist seit diesem Tag im Juni wie ausgewechselt. Er Trommelt den ganzen Tag mit den Fingern, wippt mit den F├╝├čen was das Zeug h├Ąlt. Sogar beim Autofahren, wenn er an der Ampel steht, trommelt er immer das neueste Lied seiner Band. Martina, die oft mit ihm zur Arbeit f├Ąhrt, erz├Ąhlt oft davon. Ein zweites Schlagzeug musste dann auch noch gekauft werden. Das Auf- und Abbauen war Helmut zu umst├Ąndlich. So ├╝bt er in der Woche in der Garage mit dem alten Schlagzeug und freitags f├Ąhrt er zu seiner Band und spielt mit dem neuen Schlagzeug. So ist ein Traum von Helmut wahr geworden. Er ist Schlagzeuger in einer Band und spielt auch noch Musik der Rolling Stones. Wenn er von seiner Band erz├Ąhlt leuchten seine Augen und ist sehr gl├╝cklich. Man sollte nat├╝rlich noch erw├Ąhnen dass Helmut die Stones live in Gelsenkirchen gesehen hat, Michaela und Jan (ein ehemaliger Azubi von ihm) waren dabei. Und mit Jan fuhr er sogar noch mal nach Hannover um sie zu sehen – eben ein richtiger Fan.

Das Sommerfest in Schlebusch mit Brings und den H├Âhnern war dieses Jahr super da es nicht, wie sonst ├╝blich – regnete. Zum ersten Mal besuchte uns mein Bruder Horst mit seiner Freundin. ├ťber diesen Besuch aus Hamburg haben wir uns sehr gefreut. Carmen kaufte auf dem Sommerfest was das Zeug hielt.

Am letzten Tag im Juni hatte Helmut dann einen Unfall mit seiner Chopper. Er kam gerade vom T├ťV als er auf den Bayer-Parkplatz fahren wollte. Ein Rollerfahrer auf dem Fahrradweg kam ihm beim ├ťberqueren des Radwegs frontal entgegen. Helmut zog die Maschine zur Seite so dass er drunter lag und der Rollerfahrer machte dann einen Satz mit dem Roller ├╝ber Helmut unter der Maschine. Da Beide Schuld hatten zogen sie ohne Polizei davon. Helmut’s Maschine war nach einer Woche wieder repariert. Die Schmerzen von den Prellungen und Bluterg├╝ssen dauerten noch lange an. Er hatte wirklich einen guten Schutzengel! Da h├Ątte auch mehr passieren k├Ânnen.

Am ersten Tag im Juli also nur einen Tag sp├Ąter hatte Martina einen Rollerunfall. Da sie ein Auto hat, fuhr sie schon lange keinen Roller mehr. Warum und wie so wei├č ich nicht mehr, aber sie wollte unbedingt mal wieder Roller fahren. Also nahm sie einen von unseren drei Rollern und dann auch noch meinen Lieblingsroller. Er zeichnet sich dadurch aus, dass er zuverl├Ą├člich ist und sehr schnell f├Ąhrt. Au├čerdem war es mein erster Roller und ich bekam ihn zum Hochzeitstag. Zum vereinbarten Termin wo Martina zur├╝ck sein wollte kam lediglich ein Anruf von Michaela: ÔÇ×Mama, Du darfst Dich jetzt nicht aufregen!“ Das verhie├č nichts Gutes! Michaela erz├Ąhlte, dass Martina sie angerufen h├Ątte, weil sie in Bergisch Gladbach mit dem Roller verungl├╝ckt w├Ąre und der Roller abgeschleppt werden m├╝sste. Christian – Michaela’s Freund, der tags zuvor schon Helmut’s Chopper zur Werkstatt gefahren hatte – solle sie abholen, denn der Roller war kaputt. Christian kam also nicht aus der ├ťbung und fuhr mit Michaela nach Bergisch Gladbach. Martina war auf nasser Fahrbahn in einer Kurve ins Rutschen gekommen, und der Roller knallte auf der Gegenfahrbahn in ein Auto. Martina’s Unterarm blutete und auch die Schulter tat ihr weh. Christian und Michaela brachten Martina nach Hause. W├Ąhrend wir dann mit Martina ins Krankenhaus fuhren, um alles durchchecken zu lassen holte Christian mit seinem Freund den Roller. Im Krankenhaus gaben die ├ärzte gr├╝nes Licht, denn Martina wollte den n├Ąchsten Tag nach Ungarn in Urlaub fahren. Die Schulter war nicht gebrochen und der Arm wurde nur verbunden. Eine Salbe gegen das Eitern wurde uns mitgegeben und so kann man nur sagen ÔÇ×wieder Gl├╝ck gehabt!“ Der Roller wurde ein paar Wochen sp├Ąter an einen Bastler verkauft, reparieren war zu kostspielig. Die Gabel war beim Unfall gebrochen und auch sonst war einiges kaputtgegangen. Als der Roller abgeholt wurde, war ich doch sehr traurig, es war mein ÔÇ×liebstes St├╝ck“. Im August fuhren Michaela und Christian wie auch letztes Jahr nach Mallorca, wir brachten sie zum Flieger. Anschlie├čend fingen wir wie jedes Jahr mit der Gartenarbeit an. Es war wieder mal alles ins Unerm├Ą├čliche gewachsen und wir schnitten alle Geb├╝sche mehr als kurz. Man k├Ânnte auch von einem Kahlschlag sprechen. Drei Tage in sengender Hitze waren wir damit besch├Ąftigt. Was hatten wir auf einmal f├╝r eine breite Einfahrt! Alle Nachbarn waren wieder mal entsetzt und machten bei Helmut keinen Hehl daraus, wie sauer sie seien. Allein das man die Mauer nun vom Nachbargrundst├╝ck sehen k├Ânne, das es h├Ąsslich aussehen w├╝rde usw. usw. Helmut lie├č sich nicht aus der Ruhe bringen und meinte nur: ÔÇ×Machen Sie sich keine Sorgen, das kommt wieder!“ Nach nur zwei Tagen gr├╝├čten uns auch alle Nachbarn wieder. Wenn wir den Garten machen, ernten wir immer ├ärger, daran haben wir uns schon gew├Âhnt. Die Nachbarn w├╝rden lieber alles zuwachsen lassen und wir haben lieber freie Sicht – also ist ├ärger vorprogrammiert.

Am 8. August fuhr Helmut dann zum Stones-Konzert nach Hannover. Mir war nicht wohl in der Haut. Ich war froh, dass er Samstagmorgen um 5.00 Uhr wieder da war. 14 Stunden war er unterwegs, nur um 2 Stunden Musik zu h├Âren. Nach einem kurzen Schlaf ging es dann um 15.30 Uhr zur Saisoner├Âffnung ins Rhein-Energie-Stadion. Alle Neum├Ąnner besitzen nun eine Dauerkarte und auch unser Freund Willi ist immer dabei. Leider verloren wir 2:1 gegen Kaiserslautern. Helmut legte sich direkt nach dem Spiel wieder hin, denn in der Nacht fuhren wir in unseren Urlaub. Ziel: Finkenberg im Zillertal

Hier trafen wir uns wie jedes Mal mit Sigrid und Karl aus Schriesheim. Mit den Beiden haben wir schon viele Wandertouren gemacht und wir hatten auch schon viel Spa├č zusammen. Die Freude des Wiedersehens war gro├č und auch Karl’s Schwester, Bruder und Bekannte waren wieder dabei. So ging es also dann in der ersten Woche mit 10 Mann zum Wandern. Es glich immer einer Belagerung wenn wir auf den H├╝tten aufkreuzten. In der zweiten Woche waren wir dann mit Sigrid und Karl allein. Bei zwei Touren wollten Helmut und ich aber mal wieder unsere Grenzen kennen lernen. So geschah es einmal, dass wir in die falsche Gondel einstiegen, hochfuhren und uns dann eine andere Wanderroute ausdenken mussten. Den Berg, den wir bestiegen nahm einfach kein Ende, manchmal mussten wir auf allen Vieren hochklettern, aber wir gaben nicht auf. Wanderer, die uns entgegenkamen fragten wir, wie weit es noch bis zur H├╝tte sei. Sie sagten uns: ÔÇ×eine H├╝tte gibt es nicht, sie m├╝ssen schon ihren eigenen Proviant essen!“ ÔÇ×Na Klasse!“ sagte Helmut, als wir wieder alleine waren, ÔÇ×nichts zu essen, nichts zu trinken und das in der prallen Sonne!“ Als wir am Gipfelkreuz ankamen, waren wir halbtot. Als die anderen Wanderer ihre Brote auspackten gingen wir weiter. Da der Aufstieg sehr steil und gef├Ąhrlich war, wollten wir auf einem anderen Weg wieder hinunter. Wir waren gut 5 Minuten unterwegs, als wir an einer Felswand vorbei mussten und der Weg nur noch 10 cm breit war, also gut f├╝r einen Schuh Platz. Also links die Felswand, rechts ein Abgrund (ca. 15m). Der Weg war etwa 2 m lang. Bei Helmut sah das sehr leicht aus. Bei meiner H├Âhenangst jedoch ein gro├čes Problem! Das Problem wurde noch gr├Â├čer, als ich prompt den falschen Fu├č nach vorne setzte, n├Ąmlich den rechten Fu├č. Jetzt gab es kein zur├╝ck mehr. Ich musste das linke Bein noch irgendwie zwischen Felswand und rechtes Bein kriegen. Dies endete blutig!! Aber ich dachte mir, lieber ein blutiges Bein als diesen Abgrund runterfliegen. Es ging gut. Als wir an der Gondel nach unten ankamen, sagten wir uns, das bisschen k├Ânnen wir laufen und lie├čen also so die letzte Gondel fahren (es war erst 16.00 Uhr) Und so wanderten wir nach unten, und wanderten und wanderten und es nahm einfach kein Ende. Um 19.00 Uhr waren wir endlich an der Talstation angekommen. Nach diesen Strapazen in den Bergen sind wir noch mal 3 Stunden gelaufen. Auf dem Parkplatz der Talstation stand nur noch ein Auto – unser Auto. Wir waren froh, das geschafft zu haben. Helmut war aber dann auch das Wandern satt. Nach 14 Tagen fuhren wir heim und Helmut erholte sich erst noch eine Woche mit mir und dann eine Woche allein.

In dieser Woche (wir sind jetzt schon im September) ging ich in eine Spezialklinik in K├Âln. Aus der Schulter wurde mir Kalk und ein Schleimbeutel entfernt, da er dauernd entz├╝ndet war und mir starke Schmerzen bereitete. Dank meiner lieben Zimmergenossinnen hatte ich in der Woche viel zu lachen. Wenn die Schwestern uns mittags das Essen brachten, machten wir zur Begr├╝├čung die ÔÇ×La Ola-Welle“. Auch sonst wurde bei uns im Zimmer nur Bl├Âdsinn gemacht. Helmut, Martina und Michaela kamen jeden Tag gerne vorbei, denn bei uns war es wirklich unterhaltsam.

Im Oktober fing Michaela mit ihrem Nebenjob bei der Fahrschule an. Mit weichen Knien ging sie an ihrem ersten Arbeitstag zur Arbeit. Ihre Aufgabe besteht darin, Pr├╝fungsb├Âgen auszugeben und anschlie├čend zu korrigieren, Anmeldeb├Âgen entgegen zu nehmen usw. Voller Freude kam sie nach Hause und war begeistert. Sie h├Ârte nicht mehr auf zu erz├Ąhlen, wie toll alles sei. Da sie als Kindererzieherin zur Zeit nur Schule hat, kann sie nebenbei nachmittags diesen Nebenjob machen. Auch Martina ist in der Fahrschule jetzt als Springerin t├Ątig; Michaela hat sie dort eingeschleust. F├╝r Martina auch kein Problem, weil sie ja bei Bayer Gleitzeit hat. Mit meiner Freundin Petra war ich auch mal wieder auf Bildungsurlaub. Mit ihr war ich schon ein paar Mal in Bad Zwischenahn und es war wie immer toll. Das Thema: ÔÇ×Die Macht der Worte“. Wir hatten uns zwar mehr von dem Thema versprochen aber wir haben das Beste daraus gemacht. Ich hatte ihr mal Backgammon beigebracht und mu├č nun feststellen, dass sie es besser spielt als ich. Auch ich habe dann noch ein Konzert besucht. Mit Wolfgang war ich bei ÔÇ×PUR“. F├╝r Helmut ist das nat├╝rlich keine Musik, hier haben wir auch total verschiedene Ansichten. Ich fand das Konzert bombenstark.

Im November waren wir dann mit Elfi und Eckart im Theater. Nat├╝rlich ein k├Âlsches St├╝ck und gut gemacht. Und Ende November hatten wir noch mal das Vergn├╝gen mit einem k├Âlschen St├╝ck der K├Âlsch-Akademie. Willi und Karola hatten uns die Karten besorgt. Leider mussten wir daf├╝r auf ein Heimspiel des 1. FC K├Âln gegen den HSV verzichten. Wollen wir hoffen, das der Rest des Jahres gut zu Ende geht!
Wir w├╝nschen Euch allen eine frohe Weihnachten und einen guten Rutsch in Jahr 2004!